Spitting of Tall Buildings

Interview: Spitting of Tall Buildings

Jana Palaske konnte heute leider nicht mit dabei sein. Vielleicht könnt ihr mir die Frage trotzdem beantworten. Wie geht Jana mit der typischen Bemerkung um: „Noch eine Schauspielerin, die jetzt singt.“?
Andre: Ja, sowas muss sie sich natürlich auch anhören. Paul kann da als ihr Freund mehr zu sagen.
Was bedeutet Jana die Musik, was die Schauspielerei?
Paul: Ja, wir haben das ja schon oft gehört. Für Jana ist das natürlich so, dass sie a) nie bewusst Schauspiel studiert hat, sondern da irgendwie reingerutscht ist, als sie zufällig für dieses „alaska.de“ [Kinofilm von 2000] gecastet wurde. Sie hat dann einfach weitergemacht. Beim Schauspielern ist der Unterschied im Gegensatz zur Musik ja der, dass der Regisseur dir sagt: „Mach mal so, guck mal traurig und jetzt geh mal von da nach da, und dann läufst du da wieder lang…“ Selbst wenn das Drehbuch gut ist, du das Gefühl hast, dass es ein gutes Projekt ist und du da mit vollem Herzblut ran gehst, kann es trotzdem sein, dass der Film am Ende total anders ist, als du dir das vorgestellt hast. Als Schauspieler hast du überhaupt kein Einfluss darauf, wie das am Ende aussieht.
Das ist bei Musik natürlich komplett anders. Sie kann sich halt 100%ig mit einbringen. Ich glaube so ungefähr hätte sie das beantwortet.

Also ist die Schauspielerei für Jana eher ein Job und die Musik ihre Leidenschaft?
Andre: Ja, genau.
Paul: Das Ding ist, wir haben natürlich alle nebenbei Jobs, ihrer ist natürlich öffentlicher. Wir verdienen halt kein oder kaum Geld mit Musik und es ist nicht ausreichend um davon zu leben. Wir müssen alle zusehen, dass wir irgendwie unsere Mieten bezahlen und Jana kann das eben gut übers Schauspielern machen. Die Möglichkeit nutzt sie auch. Obwohl ihr Schauspielern nicht so wichtig ist, wie Musik. 

Andere Bands hätten den Bekanntheitsgrad ihrer Sängerin vielleicht ausgenutzt, ihr habt euch stattdessen lieber den Hintern abgespielt und euch so einen Namen gemacht.
Andre: Also ich kann da jetzt nicht für andere Bands sprechen. Aber es war uns einfach schon von Anfang an klar, dass wir da durch Jana eine krasse Aufmerksamkeit kriegen. Uns war aber auch genauso klar, dass wir auch kritischer beäugt werden. Wir haben uns gesagt: Ok, wir müssen erst mal versuchen zu arbeiten, wie jede andere Band auch, also spielen, spielen überall wo man uns will. Und so haben wir halt unseren Weg genommen.
Paul: Es ist schon so, dass wir uns auch bewusst Zeit gelassen haben. Wir spielen ja in der Besetzung jetzt drei Jahre zusammen. Wir hätten natürlich auch vorher schon ein Album machen können. Wir waren uns dann eben selbst nicht sicher ob das für uns gut genug ist. Vor allem, wenn dann noch die Leute sagen: „Das ist doch die Schauspielerin… und das ist ja nicht wirklich gut.“ Dann hätten wir das vor uns selber gar nicht verantworten können.

Das Indie-Label Sanctuary hat letztendlich den Zuschlag bekommen, aber es gab doch auch sicherlich Anfragen von großen Majors?
Andre: Es war nicht so, dass die gekommen sind und gesagt haben: „So hier, habt ihr ’ne Million.“ Das ist jetzt schwer zusagen, wir haben ja auch darauf hingearbeitet, wir wollten ja schon gerne ein Indie haben, ein gutes Indie-Label und mit Sanctuary sind wir total glücklich.
Paul: Was ein bisschen abgefahren war, tatsächlich waren bei unseren ersten Konzerten irgendwelche Leute von Universal und Sony. Die haben sich das angeguckt und dann kamen so Ansagen wie: „Also auf deutsch wäre das ok.“ Das ist dann natürlich nichts. Das ist ja kein konkretes Angebot. Da lachen wir kurz und lehnen ab. Das hat sich damit erledigt.

Die Kritiken bezüglich eures Albums spalten sich ja sehr, vielen ist dieser trashig-rotzige Rock’n’Roll zu viel. Aber ihr habt schon Wert darauf gelegt, diese Live-Energie auf die Platte zu übertragen?
Paul: Wir haben ja Moses [z.B. Beatsteaks], der hat bisher alles von uns aufgenommen, die Demo, die EP – die wir selbst gemacht haben, das Album. Er war im Proberaum und wir haben mit ihm zusammen alles arrangiert. Er sieht das wie wir, was die Band auszeichnet ist die  Live-Performance. Und als erstes Album kann man schon ein Album machen, welches das auch wirklich so rüberbringt. Wir haben die Sache ja sogar live eingespielt, um diese Energie so hinzukriegen. Das Album fängt mit dem Song an, mit dem wir jedes Set beginne und hört mit dem Song auf, mit dem wir normalerweise ein Set beenden und es ist sogar so lang wie unser Live- Set.
Andre: Moses spielt sowieso alles live ein, weil es irgendwie ehrlich ist. Was ja auch stimmt. Es hat auch Spaß gemacht. Sonst hast du nur Kopfhörer, den Rest auf’m Band und spielst dann vor dich hin. So hat das einfach auch eine gewisse Lebendigkeit.
Paul: Es ist ja auch nicht so, dass wir jetzt planen weiterhin nur solche Musik zu machen. Die Songs, die wir jetzt neu gemacht haben, sind auch ein bisschen komplexer und anders, aber so muss es ja auch sein. Es ist unserer Meinung nach also so wie es ist, ein gutes erstes Album. Es ist der Start für uns, wir wollen auch noch wo anders hin.

Habt ihr schon ein neues Album in Planung?
Paul: Ja, auf jeden Fall.
Andre: Wir haben ja auch in der Zeit, in der wir nicht live gespielt haben, geprobt und so. Da sind natürlich auch neue Songs entstanden und die wollen wir natürlich irgendwann auf einem Album haben.
Wie kam denn der Kontakt zu Moses Schneider zustande? Moses ist ja mittlerweile sehr bekannt als Produzent der BEATSTEAKS und anderen.
Paul: Das lustige war, als wir ihn kennen gelernt haben, hat er die Beatsteaks noch nicht aufgenommen. Wir haben mit der Band BOTANICA im Central gespielt, mit schlechter PA. Gibt’s leider nicht mehr. Da kamen dann letztendlich fünf Leute wegen BOTANICA und zwanzig von unseren Kumpels. Und von den fünf Leuten, die wegen der BOTANICA Band da waren, war einer Moses. Der kam nach unserer Eröffnungs- Show zu uns und meinte: „Ja, fand ich ganz lustig so und wenn ihr mal Hilfe braucht, so mit aufnehmen, dann ruft doch an.“ Und das haben wir dann am nächsten Tag gemacht. (lacht) Aber damals war Moses noch nicht ein so großer Name, wie er es jetzt ist. War schön, dass er sich so entwickelt und wir halt immer so staunend daneben stehen: „Wow! Der Moses wieder.“ 

„Und uns produziert er auch…“
Paul: Ja, ja genau so. (lacht) Nee, also wie gesagt, es war nicht so, dass wir uns für teures Geld bei ihm eingekauft hätten. Es ist auch schon eine persönliche Beziehung, die wir zu Moses haben und nicht so, dass wir ihn irgendwie anmieten und dann eine hohe Gage bezahlen, er macht das immer mit extrem viel Herzblut und richtig gutem Willen.

Wie entstehen denn bei euch die Songs, also sie handeln ja zum großen Teil von deiner (Paul) und Janas Beziehung…
Paul: Naja, ein paar… (lacht).

Aber ihr beide seid schon so Haupttexter?
Paul: Ja, das ist wahr. Also Jana und ich schreiben ausschließlich die Texte.

Und die Musik entsteht dann mit der kompletten Band im Proberaum?
Paul: Da gibt es verschiedene Herangehensweisen, wie bei anderen Bands. Also zum Beispiel: Wenn ich jetzt zu Hause sitze und habe schon eine Songidee mit ’ner Strophe und ’nem Refrain, dann wird das nur zusammen arrangiert. Es gibt aber auch Sachen, die komplett mit allen zusammen im Proberaum entstehen. Da ist dann einfach der Beat, dann kommt der Bass drauf und Greg denkt sich irgendwie eine super Melodie aus, da ist er echt so das Talent für. Jana singt dann dazu und so baut sich dann ganz normal der Song auf. Momentan ist es so, dass wir versuchen eher so zu arbeiten, dass alle sich mehr einbringen, damit es am Ende auch interessanter wird.
Niels: Wir planen auch nichts direktes, es passiert einfach so.
Paul: Eine gute Idee ist herzlich willkommen.

Gibt es eine Band, mit der ihr super gerne mal spielen würdet?
Paul: Lustiger Weise, also wir haben bis jetzt echt viele Supports gespielt und wir haben jetzt Band-intern so ein Ding. Man hört ja oft von anderen Bands: die und die Band sind totale Arschlöcher und geht gar nicht. Wir warten immer darauf, dass wir das erste Mal eine Band kennen lernen, die uns richtig mies behandelt. Das war noch nie und das krasse ist, je öfter wir Support spielen, umso netter werden die Leute. Wir haben jetzt zum Beispiel mit MUFF POTTER gespielt und das sind oberknorke Jungs. Wir haben auch immer von den Bands gelernt. Es ist auch cool zu beobachten, wie zum Beispiel eine Band wie MC LUSKY unterwegs ist. Oder wie die reagieren, wenn das Publikum nicht so mitgeht. Oder eine Band wie MUFF POTTER, zu sehen wie das ist, wenn man zwölf Jahre in einer Band spielt und die sich aber trotzdem immer noch gut verstehen und da so ein Ding zusammen am Laufen haben. Das die ganze Sache auch irgendwie Spaß macht. Da lernt man schon was.

Das Jahr ist so gut wie vorbei, wenn ihr mal so zurück blickt, wie erfolgreich ist es für euch verlaufen?
Andre: Also ich würde sagen, dass es ein erfolgreiches Jahr war.
Paul: Ja, aber wir sind halt trotzdem eine Band, die noch am Anfang steht. Wir haben noch nichts erreicht, worauf man sich jetzt ausruhen könnte und wo man sich permanent auf die Schulter klopfen und sagen kann: „Wow, wir sind die Geilsten.“ Also davon sind wir weit entfernt und, dass wissen wir eben auch und arbeiten halt so weiter und haben immer wieder so Glückserlebnisse, die uns darin auch bestärken.
Andre: Natürlich gibt es auch mal Dinge, die nicht so laufen. Oder Konzerte, wo die Leute dann da stehen und so gar nichts mit uns anfangen können und uns mit leeren Augen ankucken, da muss man halt durch.
Paul: Oder die Angriffe, die halt eben auch über Jana kommen. Also echt, die albernsten Sachen.
Andre: Das geht ja auch allen so, also wenn wir uns mit anderen Bands unterhalten, kommt halt immer so: „Ach, was wir schon alles hatten…“
Paul: So eine Band wie MUFF POTTER, die hat zwölf Jahre immer alle Platten alleine gemacht und dann gehen die jetzt mal zum Major, ja – weil die vielleicht auch mal irgendwie Miete bezahlen wollen und dann ist es der totale Sell-Out. Das geht ja gar nicht. Den Leuten ist auch glaube ich absolut nicht bewusst – oder den Kids, wie wenig Geld man tatsächlich mit Musik verdient. Die denken irgendwie, da läuft das Video und schon kauf ich mir ein Haus.

Und nächstes Jahr gibt es dann eine neue Platte?
Paul: Nächstes Jahr nehmen wir sie auf. Und dann müssen wir sehen…

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Jana Böhm

Freie Journalistin und Autorin

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