Wenn der Jazz den Tod ankündigt

Todesblues in Chicago – Eine Fabrikantentochter verschwindet, die Leiche eines Gangsters wird mit ausgehöhlten Augen gefunden und aus den Flüsterkneipen hört man neue Jazzklänge, während die Menschen in der Hitze des Chicagoer Sommers fast durchdrehen.

Der zweite Teil von Ray Celestins City Blues Quartett führt uns von New Orleans im Jahre 1919 in das Chicago der Roaring Twenties. Die beiden Pinkerton Detektive Ida Davis und Michael Talbot, die schon in Celestins Debütroman Höllenjazz in New Orleans die Hauptrollen spielten, sind ebenso wie ihr Freund, der berühmte Trompeter Louis Armstrong, mit der großen Welle der Südstaatenmigration in die Stadt gekommen. Das Chicago der 1920er ist die Blütezeit des Jazz, der Prohibition und des Alkoholschmuggels. Kriminelle Syndikate herrschen über städtische Strukturen und der ungewöhnlich heiße Sommer macht den Bewohnern zu schaffen. Die verstümmelte Leiche eines Gangsters wird gefunden. Eine reiche Fabrikantentochter verschwindet ebenso spurlos wie ihr Freund und bei einer Party werden Politiker vergiftet, die auf Al Capone’s Gehaltsliste stehen.

Der Gangsterboss fürchtet einen Bandenkrieg und holt sich einen alten Wegbegleiter aus New York, der sich um sein Problem kümmern soll. Die verzweifelte Mutter der verschwundenen jungen Frau engagiert derweil die beiden Privatdetektive.

Ein neuer Fall für Ida Davis und Michael Talbot

Ida Davis und Michael Talbot nehmen sich dem Fall an. Ihre Ermittlung führt sie direkt in die gefährlichen Kreise der Mafia. Fotograf Jakob wird zu einem Tatort gerufen. Man hat die Leiche eines Gangsters in einer Seitengasse gefunden. Seine Augen wurden aus ihren Höhlen geschält und unweit des leblosen Körpers platziert.

Der selbsternannte Problemlöser Dante kommt aus New York in die Stadt, um im Auftrag Al Capones den Gifttod einiger hochrangiger Politiker aufzuklären. Dabei gerät er selbst ins Visier. Ein rivalisierendes Syndikat hat es auf Capone abgesehen und heftet sich an Dantes Versen.

Louis Armstrong als roter Faden im Todesblues in Chicago

Unterdes steigt Louis Armstrong zu einem bedeutenden Mitglied der Jazzszene auf und spielt sich durch die Clubs der Stadt, in denen sich bisweilen auch bekannte Gesichter der Unterwelt amüsieren. All das scheint im ersten Moment nichts miteinander gemein zu haben, doch im Verlauf der Ermittlungen beginnen sich die Wege der Protagonisten zu überschneiden. Wie in seinem Debütroman schafft es Ray Celestin, historische Realität und Fiktion perfekt zu verknüpfen. So zeichnet er das Bild einer vielschichtigen Gesellschaft in einer von Kriminalität und Hitze gebeutelten Stadt. Mit seiner atmosphärischen Beschreibung zieht Celestin den Leser in seinen Bann und lässt ihn Seite für Seite mit den Protagonisten mitfiebern. Er begibt sich mit ihnen auf die gefährliche Mission durch die kaum erträgliche Hitze des Sommers und die Unterwelten der Stadt, um dieses fesselnde Werk am Ende vollkommen atemlos aus der Hand zu legen.

Ray Celestin: Todesblues in Chicago.
Pieper Verlag | München 2019 | 590 Seiten, 16,- €. 


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